Podium in der Färberei (Juni 2015)

Völlig überfüllt war die Färberei, als es am 16. Juni 2015 um das Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ ging. Von so viel Resonanz waren selbst wir als Veranstalter, die Moderatorin Iris Colsman (Der Paritätische)  und die geladenen Podiumsgäste überrascht.

Zum Einstieg ging Prof. Dr. Sascha Liebermann von der Alanushochschule für Kunst undGesellschaft aus Alfter der Frage nach, warum der existenzsichernde  Teil des Einkommens bedingungslos sein sollte. Scharfsinnig und prägnant leitete er ab, dass wir in unserer heutigen Fixierung  auf die Erwerbsarbeit die Bürgerrechte faktisch an die Erwerbsarbeit koppeln.  
Dem hielt Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters, entgegen, dass das Grundeinkommen viel zu pauschal sei, angesichts der unterschiedlichen Bedürftigkeit der Bürger. Er räumte allerdings ein, dass das derzeitige Sozialsystem viel zu kompliziert und nicht mehr vermittelbar sei, auch wenn es gut gemeint sei. „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“ konterte  Uwe Temme, Leiter des Ressorts Soziales der Stadt Wuppertal. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Wuppertaler Sozialbereich kommt er zu der Überzeugung, dass bedingungslose Zahlungen an alle Bürger viele Möglichkeiten bieten, die das heutige Leistungssytem nicht kennt.

Photo vom Podiumsgespräch in der Färberei
Was ist, wenn dann niemand mehr arbeitet? Prof. Dr. Herbert Grymer gelang in seinen Forschungen an der Universität Wuppertal zu der Erkenntnis, dass der Mensch sich positiv entwickelt, wenn man ihm Aufgaben zutraut.
Mit Blick auf die Menschen, die mit einem Grundeinkommen in der Tasche tatsächlich nichts  für die Gesellschaft tun würden  bemerkte Liebermann trocken „Lassen wir Sie in Würde leben,  es wird schon Gründe geben, warum sie nicht beitragen können oder wollen“.
Christine Nordmann aus Cronenberg hatte als Besucherin einen der letzten Stehplätze ergattert und sagte im Anschluss zu der Veranstaltung: „So konkret und überzeugend wie Sascha Liebermann dieses Thema vemittelt, habe ich es noch nie gehört, selbst nicht bei Abenden mit Götz Werner. Und dann die Diskussion dazu. Eine wirklich überragende Veranstaltung.“  
Trotz der über zweihundert Besucher waren sich die Podiumsgäste einig, dass man sich keinen Illusionen hingeben sollte. Die meisten Bürger stünden einem bedingungslosen Grundeinkommen heute noch ablehnend gegenüber.